Konsumerziehung
Die Medien berichten: „Kinder im Kaufrausch“, „Jugendliche sind Weltmeister im Geldausgeben“, „Noch nie hatte die jüngere Generation so viel Geld in der Tasche“. Diese Meldungen sind nur die halbe Wahrheit. Natürlich verfügen viele Kinder und Jugendliche über erhebliche Summen von Geld. Natürlich geben sie vieles davon aus. Auf der anderen Seite aber: Konsumieren gehört zum Leben fest dazu. Wir leben in einer so genannten Konsumgesellschaft. Hier verhalten sich Kinder und Jugendliche genau so, wie es die vom Konsum durch und durch geprägte Gesellschaft „ihren“ jungen Mitgliedern vorgibt. In diesem Sinne verhalten sich viele junge Leute konsumkonform.
Kinder und Jugendliche sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Viele haben regelmäßig größere Geldbeträge zur Verfügung. Ob es uns passt oder nicht: Das Geld der Kinder wird von der Wirtschaft gebraucht.
Konsumerziehung hat also nicht Konsumfeindlichkeit zum Ziel. Es geht auch nicht nur um sparen und verzichten lernen. Bei der Konsumerziehung geht es zunächst darum, dass Kinder und Jugendliche lernen, mit den vorgegebenen Marktmechanismen so umzugehen, dass sie kritische und souveräne Konsumentinnen und Konsumenten werden. Aber wie geht das?
Hier einige konkrete Tipps und Hinweise:
- An aller erster Stelle steht die Erziehung zu mehr Selbstständigkeit und zu mehr Autonomie. Denn selbstständige, autonome Menschen, die ja zu sich sagen, konsumieren weniger problematisch (
Kaufsucht). - Erwachsene haben eine wichtige Vorbildfunktion. Wie ist das Verhalten der Eltern und Lehrerinnen und Lehrer? Sind sie souveräne Konsumentinnen und Konsumenten? Wie gehen wir Erwachsene mit unseren Kaufbedürfnissen um?
- Geld und Taschengeld ist kein Erziehungsmittel (also möglichst vermeiden: wenn du dich so und so verhältst, dann bekommst du so und so viel Geld dafür). Wohl aber können junge Leute die Erfahrung machen, das Geld nicht vom Himmel fällt – also (auch) etwas mit Arbeit zu tun hat (
Taschengeld). - Kinder sollen über ihr Geld selbst verfügen dürfen. Eltern geben zwar einen guten Rat. Letztendlich müssen Kinder aber die Freiheit über ihr eigenes Geld behalten. Hier gilt auch: Negative Kauferfahrungen sind wichtig für das Leben.
- Kinder und Jugendliche benötigen bestimmte Kompetenzen: Kritikfähigkeit ist so eine wichtige Kompetenz. Ferner ist die Fähigkeit Bedürfnisse zu erkennen und möglicherweise die Erfüllung aufzuschieben wichtig. Kinder und Jugendliche sollten lernen, Werbestrategien zu erkennen. Sie können auch mit der Zeit begreifen, welche Auswirkung die Meinung der Gleichaltrigen hat, wie Zwänge entstehen.
Entscheidend für die Konsumerziehung ist aber: Besonders wichtig ist es, die Selbstständigkeit von Kindern und Jugendlichen zu fördern! Für selbstständige junge Leute steht der Besitz von Dingen nicht an erster Stelle.
Infos/Material zu diesem Thema unter www.thema-jugend.de
Literatur:
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Feil, Christine: Kinder, Geld und Konsum. Die Kommerzialisierung der Kindheit. Weinheim und München 2003.
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Höschen, Dirk; Rausch, Isabell: "Aua ... Schulden" mit Tipps zum Umgang mit Geld und Schulden. Kinder als Konsumenten in den Neuen Medien, Deutsches Kinderhilfswerk; Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (Hrsg.), Berlin 2004
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Lange, Elmar: Zur Verschuldung der Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland. In: neue praxis, Heft 5/ 2005
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Verein Schuldnerhilfe e.V. (Hrsg.): „Jugend und Geld“, Essen 2002
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Unverzagt, Gerlinde; Klaus Hurrelmann: Konsum-Kinder. Was fehlt, wenn es an gar nichts fehlt. Freiburg 2001.
Links:
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Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) im Zusammenschluss mit Schuldnerberatungsstellen der Diakonie:
www.knete-kohle-kroeten.de
www.unterrichtshilfe-finanzkompetenz.de
www.fit-for-money.de -
„Richtig Geld ausgeben!?“ Hrsg. Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz. Reihe Modelle, Dokumente, Analysen 23. Download unter: www.bag-jugendschutz.de/mda.html

